Geschichte

Der Gutsbetrieb «Uf-Stocken»

Am 1. Dezember 1982 stimmte die Kilchberger Gemeindeversammlung mit 387 zu 0 Stimmen dem Antrag des Gemeinderates auf Genehmigung des Kaufvertrages mit den Erben von Herrn Dr. Emil Huber über den Erwerb eines Teils des Gutsbetriebes „Uf-Stocken“ mit einem Bruttokreditbetrag von Fr. 32’736’500.– zu. Es war dies der grösste Kreditantrag, über den in Kilchberg an der Gemeindeversammlung je im offenen Handmehr befunden wurde. Mit diesem bahnbrechenden Entscheid nahm eines der wichtigsten Vorhaben der linksufrigen Seegemeinde seinen Anfang.

Ursprünge des Gutes „Uf-Stocken“Kilchberg war über Jahrhunderte ein Bauerndorf, in dem – neben dem dominanten Rebbau am nach Osten gerichteten Abhang zum See – Ackerbau und Viehzucht eine wesentliche Einkommensquelle für die Bauern darstellte. Viele mussten, insbesondere im 19. Jahrhundert, auch als Heimarbeiter der aufkommenden Textilindustrie ihre bescheidenen Einnahmen aus der Landwirtschaft ergänzen.Von allem Anfang an war die Landwirtschaft im Flurgebiet Stocken, auf dem flachen Teil des auslaufenden Zimmerbergs, gemischt. Neben Viehzucht und Ackerbau war Obstbau weit verbreitet, wie eine alte Luftaufnahme zeigt, und selbst ein kleiner Weinberg hinter dem heutigen Misthaufen des neuen Stalls ist in einer alten Karte vermerkt.Auf dem Zehntenplan aus dem Jahre 1786 ist unter dem Namen „Stock-Weiden“ bereits eine Scheune eingezeichnet. Es handelt sich um eine der sogenannten „Bergscheunen“, die, abgesetzt vom eigentlichen Dorfgebiet, zur Aufbewahrung von Wagen und Gerätschaften sowie Heu und Stroh dienten. Mit der Zunahme der Bedeutung der Viehwirtschaft wurden auch Ställe eingebaut, wo das Vieh überwintert wurde. So fand jeweils im Herbst und im Frühling eine Art Alpabfahrt und ein Alpaufzug im kleinen Rahmen statt. Diese Tradition wird übrigens heute noch von den Mitgliedern der Viehzuchtgenossenschaft Thalwil-Rüschlikon-Kilchberg aufrechterhalten, wenn sie alljährlich im Oktober ihr Vieh bekränzt ins Gehrimoos (Rüschlikon) zur Viehschau treiben.Schon die erste nach modernen Vermessungsmethoden erstellte kartografische Aufnahme der Region im Massstab 1:25000, die sogenannte Wildsche Karte aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, enthält beim Flurnamen Stocken bereits die zwei Bauernhäuser auf beiden Seiten des heutigen Eingangsportals. Beide Gehöfte waren vor dem Verkauf ans Sanatorium im Besitz von Adolf und Walter Weilenmann. Kurz zuvor hatten sie von der Familie Irminger die Liegenschaft Stockenstrasse 86 erworben. In Bauernkreisen waren die beiden Brüder sehr angesehen, wegen den – sogar noch aus heutiger Sicht – äusserst modernen Obstanbaumethoden.Einen eigentlichen Aufschwung nahm das Stockengut durch die engen Beziehungen mit dem Sanatorium Kilchberg. Dieser Nervenheilanstalt war das 21. Neujahrsblatt im Jahre 1980 gewidmet. Die Klinik war im Jahre 1867 gegründet worden und ging 1911 durch Kauf an Dr. Emil Huber über. Zu den Gebäulichkeiten gehörte auch ein Landwirtschaftsbetrieb mit Stall und Scheune beim heutigen Haupteingang  an der Alten Landstrasse 90. Dieser Betrieb diente einerseits der Selbstversorgung und andererseits der Arbeitstherapie im Rahmen der psychiatrischen Behandlung. Nach dem Kauf des Sanatoriums durch Dr. Emil Huber im Jahre 1911 wurde der Landwirtschaftsbetrieb durch Landkäufe Ende der Zwanzigerjahre stark vergrössert und schliesslich 1928 ins Stockengut verlegt.Die Scheune an der Stockenstrasse wurde zum Lagerplatz für die Familie Lanfranconi umfunktioniert. Dieser Familienclan aus Bergamo in Italien betätigte sich als Baumeister für Dr. Emil Huber. Später wurde auf den Fundamenten dieser Scheune das heutige Wohnhaus Stockenstrasse 86 errichtet. Dominant vor dem neu erstellten Haupteingangsbogen präsentiert sich immer noch der sogenannte Säulibrunnen, mit einer Muttersau und zehn säugenden Ferkeln. Diese Brunnenskulptur wurde übrigens von einem Patienten des Sanatoriums namens H.C. Frey gestaltet.Bedeutung gewann das Stockengut durch die rasch zunehmende Grösse des zusammengefassten Betriebes. Schon beim Kauf umfasste der Viehbestand 20 Kühe. Die später aufgebaute Schweinezucht hatte gesamtschweizerische Bedeutung. In der Hochweidscheune wurden bis ins Jahr 1966 Schweine auf Mastleistung geprüft. Im Rahmen der früher üblichen Versorgung mit Lebensmitteln auf Fussgängerdistanz wurde 1928 im Stockengut auch ein Ladengeschäft der Firma Bär-Pfister & Cie. eingerichtet. Diese Kette wurde in den Kriegsjahren von Denner übernommen und 1958 wieder aufgehoben. Lange Jahre (1931 – 1946) war Frau Trudi Günter Leiterin des Filialbetriebes. Die letzte Leiterin, Frau Lina Bachmann, übernahm später die neue Filiale des Konsumvereins an der Schützenmattstrasse. Nach dem Verkauf des Sanatoriums durch die Erben von Dr. Emil Huber verblieb das Stockengut im Besitz der Erbengemeinschaft. Bis zur Übergabe des Betriebs an die Gemeinde war Dr. Hans Conzett, bekannt auch als Politiker und Nationalratspräsident, seitens der Ebengemeinschaft für den Betrieb zuständig.Das Gut „Uf-Stocken“ ist immer mit Leben gefüllt. Es ist der Kilchberger Bevölkerung und den vielen Spaziergängern zwischen Rüschlikon und Wollishofen ein beliebter Zwischenhalt. Kinder und Erwachsene erfreuen sich an den verschiedenen Tieren – wie Pferden, Eseln, Ziegen, Schweinen, den Hühnern sowie den Kühen mit ihren Kälbern.Schon die Familie Irminger baute in den Hohlraum unter der Auffahrt zur Remise einen Pferdestall für Zugtiere ein. Später gehörte der moderne Federnwagen des Stockengutes zum dörflichen Alltag in Kilchberg. Die Milch musste ins Sanatorium oder zur Milchsammelstelle bei der Familie Hauser im Paradies oder ins Milchgeschäft Frick in Bendlikon gebracht werden. Viele Kilchberger Kinder verdienten sich mit dem Einsammeln der „Rossbollen“ ein kleines Sackgeld. Sie wurden als willkommener Rosendünger in den Gärten verwendet. Pferdebegeisterte fanden im Stockengut später eine Pension für ihre geliebten Vierbeiner. Un der Reitverein Sihltal und See veranstaltete nicht selten Springkonkurrenzen auf dem Gelände des Stockengutes.

Kilchberger SchwingetBeim Erwerb der Liegenschaft durch die Gemeinde Kilchberg war vorerst ein Grundstück, die sogenanntec Schwingmulde, ausgeschieden. Schon an der Gemeindeversammlung vom 1. Dezember 1982 wurden Stimmen laut, dieses Stück Land ebenfalls käuflich zu erwerben. Die Eigentümer waren damit einverstanden, wenn auch zu anderen Bedingungen, war doch das Grundstück im Rahmen des Kaufvertrages als Bauland ausgeschieden worden.Mit dem Kauf der Schwingmulde konnte der alte traditionelle Standort des „Kilchberger Schwinget“ sichergestellt werden. Die Gemeinde Kilchberg erklärte sich beim Erwerb des Gutsbetriebes bereit, das zur Durchführung des „Kilchberger Schwinget“ benötigte Land zur Verfügung zu stellen und für die durch eine eventuelle Verlegung des Festplatzes entstehenden Mehrkosten aufzukommen.Der Kilchberger Schwinget geht auf eine Initiative von Dr. Emil Huber zurück, der dieses 1927 ins Leben rief. Er war seit seiner Jugendzeit ein grosser Anhänger des Schwingsportes. Mitte der Zwanzigerjahre wurden neue Sportarten, wie volkstümliches Turnen, Leichtathletik und Fussball, immer populärer und vermochten eine grosse Zahl von Zuschauern anzulocken. Um dieser Herausforderung von Massenveranstaltungen zu begegnen, entstand die Idee für einen schweizerischen, alle paar Jahre am selben Ort durchzuführenden Schwinganlass ohne Titelrivalitäten, ohne Kränze, aber auch ohne Eintrittsgelder.In einer Jubiläumsbroschüre heisst es: „Es mag den Initianten des Kilchberger Schwinget vorgeschwebt haben, eine Atmosphäre zu schaffen, die vom Urkampf der Sennenschwinger auf der Alpenmatte vor der Hütte draussen durch ein übendes Schwingerpaar ausgeht.“Trotz verschiedenen Geburtswehen konnte am 11. September 1927 das erste Kilchberger Schwinget, allerdings noch im Sanatorium, durchgeführt werden. Bei anhaltendem Regen wohnten 1200 Personen diesem Anlass bei. Tagessieger aus dem 42köpfigen Feld wurde Fritz Hagmann.Der Andrang wurde so gross, dass 1932 das Kilchberger Schwinget in die Schwingmulde im Stockengut verlegt wurde. Diese bildete schon von der Bodenbeschaffenheit her einen idealen Durchführungsort. Schon bald wurde der Dorfbach (Stockengut-Bächler-Hornhalde-Horn) im Bereich der Schwingmulde eingedeckt, und auch durch kleinere Anpassungen des Geländes wurden Voraussetzungen für die Durchführung unter idealen Verhältnissen geschaffen.Um den Fortbestand zu sichern, gründete Dr. Emil Huber ein Jahr nach dem 2. Kilchberger Schwinget im Jahre 1933 den „Huber-Fonds“. Im Grundsatzartikel heisst es: „Zweck der Stiftung ist die Beschaffung der notwendigen Mittel, um dem Schwingclub Zürich die periodische Durchführung eines Freundschaftsschwingets zu ermöglichen und dem Schwingen, unserem vaterländischen Volksspiel, in treuer Anhänglichkeit zu dienen.“Nach dem Tod des Gründers im Jahre 1938 übernahm dessen Bruder Dr. Hans Huber das Präsidium der Stiftung und danach Conrad (Coni) Conzett. Heute liegt diese verantwortungsvolle Aufgabe in den Händen von Peter Conzett.Am Kilchberg Schwinget im Jahre 1990, nahmen gegen 10 000 Zuschauer teil. Für einen Tag wurde Kilchberg zur Arena der Schwinger. Ab morgens um drei oder vier Uhr strömen die Schwingerfreunde aus der ganzen Schweiz zu diesem Anlass, für den keine Eintrittskarten verkauft werden. Die Zuteilung der Steh- und Sitzplätze erfolgt durch den Eidgenössischen Schwingerverband, und zwar im Verhältnis zur Grösse der Schwingclubs. Die Wiesen ums Stockengut verwandeln sich in einen riesigen Parkplatz, und in der Schwingmulde erküren die Schwinger ihren Tagessieger auf den beiden Ringen.Die interessierten Kilchberger konnten ebenfalls unentgeltlich in „ihrem Stockengut“ dem Anlass beiwohnen. Dieser hatte eine derartige Breitenwirkung, dass er 1990 sogar weltweit über CNN am Fernsehen übertragen wurde.Der 15. Kilchberger Schwinget ging am 07.09.2008 über die Bühne.

Die bauliche Entwicklung Kilchbergs zur VorstadtgemeindeDie heutige Gemeinde Kilchberg (ehemals Bendlikon) war ursprünglich eine Streusiedlung, das heisst, mehrere mehr oder minder grosse Häusergruppen waren auf den ganzen seeseitigen Abhang des Zimmerberges verteilt. Kleinere Zentren bildeten sich in Bendlikon und bei der Kirche, kleinere Gebäudegruppen bei der Schwelle, der Hornhalde, im Böndler usw. Die Entwicklung der Stadt Zürich löste einen Siedlungsdruck aus, der die bäuerliche Struktur immer mehr verdrängte und vorstädtlichen Strukturen Platz machte.Vor rund hundert Jahren, während der Zeit der ersten Eingemeindung in der Stadt, entstanden auch in Kilchberg erste Industriebetriebe, und die verkehrstechnische Entwicklung schlug sich in immer mehr Strassenbauvorhaben nieder. Diese Entwicklung führte zu einer allmählich fast vollständigen Überbauung des Gemeindegebietes, insbesondere seit dem 2. Weltkrieg. Die alte Bauordnung vom 18. Februar 1955 war noch geprägt von Euphorie, jedenfalls wurden keine Grünzonen ausgeschieden. Kilchberg gehörte und gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten neben den Städten Zürich und Winterthur. In der Folge des neuen kantonalen Planungs- und Baugesetzes aus dem Jahre 1975 wollte der Kilchberger Gemeinderat das einzige noch freie Gebiet der Landwirtschaftszone zuordnen. Dies lehnten die kantonalen Behörden vorerst ab. Dank einer Einwendung des Gemeinderates und über 1 000 Einwohnern gelang es dann, das Gebiet im Kantonalen Gesamtplan dem „Übrigen Gebiet“ zuzuweisen. Damit konnte die Freihaltung einer der wenigen zusammenhängenden Flächen sichergestellt werden.In der Folge wurden diese Bestimmungen auch im Gesamtplan der Region Zimmerberg berücksichtigt. Im kommunalen Gesamtplan aus dem Jahre 1982 wurde der grösste Teil des Gebietes Hochweid/Stocken dem allgemeinen Erholungsgebiet zugewiesen. Einzige Einschränkung war der sogenannten Anordnungsspielraum, d.h., dass gewisse Flächen noch dem Siedlungsgebiet und damit der Bauzone zugeteilt werden konnten.Auf dieser rechtlichen Grundlage erfolgten die Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft Huber, die sich schliesslich bereit erklärte, 188 000 Quadratmeter Landwirtschaftsland, die gesamten Gebäulichkeiten sowie das Vieh und die Fahrhabe der Geminde zu veräussern. 48 700 Quadratmeter verblieben in ihrem Besitz zum Zweck einer eventuellen späteren Überbauung.

Gemeinde Kilchberg wird GrossbauerEs war integrierender Bestandteil der Vorlage an die Gemeindeversammlung, dass der Gemeinderat gewillt war, den bestehenden Landwirtschaftsbetrieb weiterzuführen. Im Sinne der Erhaltung einer optimalen Betriebsgrösse war es auch erklärte Absicht, die bestehenden Pachtverträge möglichst weiterzuführen und eventuell weitere Liegenschaften im Sinne der Arrondierung zu erwerben.Es gelang der Gemeinde in der Folge, weitere Parzellen in unmittelbarer Nähe des Stockengutes dazuzukaufen. Dazu gehörten die sogenannte Schwingmulde unmittelbar nördlich der Gebäulichkeiten, die Parzellen unmittelbar südlich des Stockengutes entlang der Stocken- und Kreuzstrasse sowie Parzellen beim Festplatz entlang der Breitloo- und Stockenstrasse.Die wohl gewichtigste indirekte Ergänzung war der Erwerb der Freihaltezone Chirchmoos/Ghei am 25. Oktober 1985, womit weitere rund 75 000 Quadratmeter Wiesland dazukamen, ergänzt durch eine Bauverbotszone für weitere rund 30 000 Quadratmeter. Auch diese Parzellen werden durch den Gutsbetrieb „Uf-Stocken“ bewirtschaftet.Es war auch klar, dass die Gebäulichkeiten einer gründlichen Renovation unterzogen werden mussten. Umfassende Investitionen waren dazu notwendig. In einer ersten Etappe wurde 1984 ein Kredit von knapp 2 Millionen Franken zur Renovation der Wohnhäuser bewilligt. Weitere gut 2 Millionen Franken wurden 1988 für die Sanierung des Kuhstalles verabschiedet, und schliesslich wurden für die restliche Betriebssanierung 1990 noch einmal knapp 6 Millionen Franken vom Stimmbürger gutgeheissen.
Mit der sog. Neuausrichtung und der Eröffnung des Hofladens im ehemaligen Schweinestall wurden nochmals grössere Beträge in die landw. Gebäude des Stockengutes investiert. In absehbarer Zukunft folgen nun die Erneuerungen der Wohngebäude.Die Gesamtinvestitionen für Landerwerb und Renovation des Stockengutes haben eine Höhe erreicht, die auch für eine sogenannt reiche Seegemeinde nicht unerheblich sind. Die finanzielle Belastung für eine 8000-Personen-Gemeinde mag nicht vernachlässigbar sein, doch sie erbringt auf der Plusseite den Nutzen, die einzigen noch vorhandenen Landreserven als Erholungsraum zu erhalten. Es genügt nicht, diese Landreserven nur anzuschaffen, sie müssen auch gepflegt werden.Dem Stockengut kommen auch zentralörtliche Aufgaben zu. Viele kleinere, nicht zusammenhängende, sich im Besitze der Gemeinde befindliche landwirtschaftliche Parzellen, müssen ebenfalls gepflegt werden. Dazu gehören etwa das Land um das Pfadiheim, der sogenannten Feldherrenhügel bei der American International School (ehemals Spinnergut) usw.

BetriebsführungSeit dem Kauf des Stockengutes durch Emil Huber wurde der Bauernhof immer als Verwalterbetrieb geführt. Die Verwalter spielten im Dorfleben immer eine wesentliche Rolle, weil sie über ihre persönliche Verantwortung hinaus Aufgaben von allgemeinem Interesse wahrnahmen. Erster Verwalter nach dem Kauf war ein gewisser Wiesendanger. Ihm folgte 1928 – 1952 der Berner Gottfried Witschi, der während den Kriegsjahren auch das Amt eines Gemeinderates innehatte. Zu dessen Nachfolger wurde per 1. Oktober 1952 Hermann Baltensperger gewählt, und ab 1978 führte sein Schwiegersohn, Josef Müller-Baltensperger, das Stockengut. Die Gemeinde Kilchberg hatte nach dem Kauf dieses bewährte Führungsprinzip übernommen. Nach der Pensionierung von Josef Müller nahm am 01.01.2004 das neue Verwalterehepaar Sybille und René Hartmann die Geschicke des Stockenguts in ihre Hände.
Seit dem 01.08.2007 führen Gabi Caretta und Stephan Vetsch den Gutsbetrieb. Mit Ihrer Anstellung begann die sog. „Neuausrichtung“ welche eine komplette Neustrukturierung des Hofes beinhaltet. Seit April 2017 ist diese Phase der Umorganisation und der damit verbundenen Umbauten sämtlicher Stallungen des Betriebes abgeschlossen und der neu gebaute  Hofladen im ehemaligen Schweinestall konnte eröffnet werden.Die Gemeinde überwacht die Tätigkeit im Stockengut über die sogenannte Stockenkommission, die i.d.R. vom Gemeindepräsidenten präsidiert wird und der zwei weitere Mitglieder des Gemeindrates angehören. Der Verwalter hat beratende Stimme. Während der Bauzeit wirkt die Kommission auch als Baukommission.

Das Stockengut heuteIm Anschluss an eine umfassende Diskussion lehnte die Gemeindeversammlung vom 16. Juni 1987 eine Initiative ab und machte damit – nach verschiedenen Rekursen bis ans Bundesgericht – den Weg frei für die künftige Bewirtschaftungsweise.Das Stockengut wird nach den Richtlinien der integrierten Landbaumethode geführt. Der Betrieb umfasst heute rund 30 ha Eigenland und 20 ha Pachtland.Das Stockengut ist ein selbständiger Nebenbetrieb der Gemeinde mit eigenem Rechnungswesen und eigener Buchhaltung. Das Personal ist nach landwirtschaftlichem Normalarbeitsvertrag angestellt. Nebst dem Betriebsleiterpaar (170%) arbeiten im Hofladen 4 Mitarbeiterinnen mit Teilzeitpensen (220-250%), im Landw. Betrieb 3-4 Landw. Angestellte plus Aushilfen (400-420%)In den Stallungen werden 20 Mutterkühe mit ihren Kälbern gehalten, dazu kommen einige Nachzuchttiere. Im biokonformen Hühnerstall legen 1’000 Legehennen ihre Eier. Diese werden in erster Linie über den Hofladen direkt an die Kunden verkauft. Ein kleiner Teil wird an umliegende Kantinen und Restaurationsbetriebe geliefert.Auf der rund 30 ha grossen Ackerfläche werden in einer Fruchtfolge Weizen, Triticale, Dinkel, Kartoffeln und Raps angebaut. Die Tradition des Obstbaus wird weitergeführt und wie alle Produkte aus dem Ackerbau werden auch die Äpfel und Birnen sowie der eigens produzierte Most im Direktverkauf ab Hof vermarktet.Das Stockengut ist darüber hinaus auch ein Ort der Begegnung und Geselligkeit. Nebst ein paar Firmenanlässen führt die Dorfmärtkommission alljährlich auch das Stockefäscht und den Chlausmärt durch.
In der Weihnachtszeit bietet das Stockengut in der festlich geschmückten Remise Christbäume aus der eigenen Kultur in Wädenswil an, verkauft sie direkt an die Kunden und liefert diese teilweise bis in die Stube.

Auszug aus dem 35. Neujahrsblatt der Gemeinde Kilchberg vom Januar 1994
(Autor: Walter Anderau, unter Mitarbeit von Josef Müller)